Dreiteilige Komposition für Midiflügel und Mensch, 2010
Bei der Komposition "127" handelt es sich primär um ein Musikstück.
Die Form ist dreiteilig wobei sie sich etwa wie folgt beschreiben lässt: a / b / a' c. Die gesamte Komposition hat ihren Keim im ersten Teil. Stilistisch gesehen arbeitet sich das Stück in seiner Entwicklung grob durch die letzten 200 Jahre Musikgeschichte durch.
Da der erste Teil stark romantisch angehaucht ist und der Midiflügel noch keine Einwirkung hat, kann man den Anfang der Komposition folglich als traditionellen Einstieg bezeichnen. Die vier Themen auf denen die Komposition aufgebaut ist werden in diesem ersten Teil vorgestellt.
Der zweite, viel grösser angelegte Teil bewegt sich nicht mehr in einem so traditionellen Rahmen. Zwar ist auch hier die Musik sehr romantisch gehalten, nun spielt aber der Midiflügel den Grossteil dessen, was wiedergegeben wird und der Pianist tritt etwas in den Hintergrund. Der Interpret bedient nämlich während des gesamten Teiles nur eine einzige Taste. Durch dieses f allerdings, kann der Spieler noch Dynamik und Tempo der Interpretation bestimmen. Der Spieler hält folglich die Zügel noch in der Hand. Die Möglichkeiten des Midiflügels werden in diesem Teil so ausgenutzt, dass durch das anschlagen von sehr vielen Tasten (von einem Menschen unmöglich zu spielen) eine reichere Klangfülle erreicht wird.
Im dritten und letzten Teil nun ändert sich erneut alles. Im ersten Abschnitt dieses Teils wird der erste Teil der Komposition in einer leicht veränderten Version gespielt. Nun spielt der Midiflügel den wesentlichen Teil und der Interpret ergänzt. Nach diesem Abschnitt beginnt der Flügel endlich die gesamte Kontrolle zu übernehmen und entscheidet nun, aus einer Auswahl von Möglichkeiten selbst was gespielt wird.
In dieser Komposition werden, wie oben beschrieben, viele Eigenheiten des Midiflügels ausgenutzt (maschinelle Genauigkeit, das Anschlagen sehr vieler Tasten gleichzeitig, extreme Schnelligkeit, usw.). Trotzdem habe ich versucht die Komposition so zu gestalten, dass dies nicht im Vordergrund steht, sondern sich diese Dinge möglichst schön in die Komposition integrieren, wesentlicher Bestandteil und nicht nur Spielerei werden. Auch habe ich versucht weniger plakative Eigenschaften des Midiflügels herauszufinden und zu verwenden, so etwa sehr leises Spielen bei gleichzeitig hoher Geschwindigkeit, was von Menschenhand unmöglich zu spielen wäre