

Musik und Medienkunst Studierende des Master Contemporary Arts Practice (CAP) werden Ende Januar im Rahmen des Berliner Festivals "transmediale" im "Substitut - Raum für Aktuelle Kunst aus der Schweiz" unter dem Titel "Esquisses" ihre Thesis-Projekte vor- und zur Diskussion stellen.
TransmedialeAusstellung Substitute
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Dokumentationsfilm einiger gezeigter Arbeiten
Anlässlich der transmediale.10 zeigt das Substitut als tm.satellite Studierende
des „Master of Contemporary Arts Practice“ / Studienbereich Musik
und Medienkunst der Hochschule der Künste Bern:
Esquisses - Skizzen, Modelle, Prototypen – allen ist das Unfertige, aber
auch das noch nicht Abgeschliffene eigen: Zukunftsentwürfe, in denen
dem Geist freier Lauf gelassen wird, Utopien hingekritzelt werden – ohne
Abstriche und Konzessionen an Spar-, Technik- und anderen Zwängen.
Prototypen sind immer auch umweht von der Aura des Geheimen, des
Verborgenen. Unter strengster Geheimhaltung werden die „Erlkönige“ – so
nennt man die Prototypen in der Auto-Industrie - auf Testfahrten geschickt,
Partitur-Skizzen und Architekturentwürfe lagern in Geheimfächern, nicht
fertige Skulpturen und Bilder werden mit Tüchern verdeckt, und digitale
Dokumente mit kryptischen Zugangscodes gesichert. „Unvollendeten“ Werken
in der Musik haftet der spekulative Mythos des Genialen an - Generationen
von Komponisten begeben sich in eine Art Skizzenforschung und
spinnen an den Kompositionen weiter. Nicht nur in der Kunstwissenschaft
und bei Architekturhistorikern werden die „Vorzeichnungen“ besonders
geschätzt, sind in ihnen doch in groben Zügen die wesentlichen Impressionen
enthalten und in ihrer nicht auf Genauigkeit bedachten Darstellung
sind sie markante Bilder von Ideen.
Rohes, Unfertiges, Modellhaftes – mit diesen „esquisses suisses“
gewähren die zukünftigen „Master of Contemporary Arts Practice“/ Studienbereich
Musik und Medienkunst der Hochschule Bern einen reizvollen
Einblick in ihre Werkprozesse, der zugleich Ausblick in die nahe Zukunft ist:
Im Sommer 2010 schliessen Sie das Master-Studium ab.
Lilian Beidler bringt «noch einen Koffer nach Berlin» und erzeugt heisse
Berliner Luft. Bestückt mit Haartrocknern jeglicher Couleur, Laptop mit
Max/MSP, Jitter und Eis dient dieser Experimentierkoffer der Künstlerin
während fünf Tüftel-Tagen (29.01. – 02.02.) in ihrem vorübergehend
eingerichteten Labor im Substitut, an denen Sie ihr Masterprojekt weiter
entwickeln wird.

Ausserhalb der „Master“-schaft, aber nicht weniger meisterhaft bietet
Kaspar Hochuli seine raumgreifende Bachelor-Arbeit «5hoch2» an. Diese
interaktive Klanginstallation besteht aus einem quadratischen Leuchtkörper,
der mit farbigen Würfeln bespielt werden kann. Den Feldern und
Farben zugeordnete elektronische Soundmodule werden durch Positionierung
der Würfel freigesetzt und regen damit zu einem eigenen, sich ständig
variierenden Kompositions-Spiel an. Dass dies recht intuitiv zu bedienen
ist, ist das Verdienst von Hochulis Kompositionen, die zwar mit Analogien
von Klang und Farbe handeln, sich aber nicht in platt-plakativen Klangfarbenkompositionen
erschöpfen. «5hoch2» ist nicht nur Klanginstallation,
sondern zugleich auch Kompositionsinstrument, für das Joachim Budweiser
und Tobias Reber eigene Soundmodule liefern.

Die Master-Arbeit von Cyrill Lim wird Installationen und konzertante
Stücke umfassen, die sich mit Wahrnehmung, im besonderen mit dem
Thema der Perspektive auseinandersetzen. Dabei werden Aspekte der
örtlichen Position und die subjektive Wahrnehmung des Hörers, sowie die
Position der Schallquelle im Raum untersucht – eine multiperspektivische
Untersuchung mit Lautsprechern, Satelittenschüsseln, Posaunen und Elektronik.
Das im Substitut gezeigte Stück «I,Phon» untersucht die mehrfache
mediale Verzerrung bei Lautsprechern : Durch den Erbauer, durch Elektronik
und nicht zuletzt durch die Wahrnehmung des Rezipienten ist die
individuelle Klanginterpretation eines jeden Lautsprechers geprägt.

Timo Loosli plant eine Installation mit «1001 oscillations» - ein Schwarm
von circa 100 – 200 Kassettenrecordern (eine inzwischen historische
Technologie) auf denen statische Töne gespeichert sind. Durch Gleichlaufschwankungen
und andere Ungenauigkeiten, die den Geräten eigen
sind, entsteht aus einer Vielzahl statischer Töne ein dynamischer Klang aus
Schwebungen und dadurch erzeugten Melodien. In einer Computersimulation
kann die Klangwelt mit 1001 Oszillatoren erkundet werden.
David Muther zieht dem Publikum die Ohren lang. Angenommen, unsere
Ohren wären noch viel unterschiedlicher geformt als sie das eh schon sind,
wie würde das unsere Wahrnehmung verändern und welche musikalischen
Qualitäten würde das fördern? Mit unterschiedlichen Ohrerweiterungen in
der Tradition von „expanded ears“, forscht David Muther an einem anderen
Hören und am Komponieren für diese neue Ohren.
Tobias Reber klopft Wände und Böden des Substituts ab. Eine algorithmische
Komposition schaltet Elektromagneten ein und aus, die auf dem
Boden und an den Wänden des Raumes angebracht sind. Die Magnete
lassen kleine Matellbolzen vor- und zurückschnellen und klicken, und
bespielen variantenreich den Raum : Abstrakte Muster, einzelne verstreute
Ticks, synchrone und asynchrone Strukturen, abrupte Brüche und langsame
Verläufe wechseln sich ab und verändern damit die Wahrnehmung
des Raumes.
Margrit Rieben verwirbelt Luft! «LUFT DRUM» wird eine Video-Installation,
in der mittels digitaler generativer Transformationsprozesse verschiedene
„Luftstock“ spielende Schlagzeuger in einer musikalisch-videografischen
Komposition zusammengeführt werden. Luftstöcke sind mit Beschleunigungs-
Sensoren ausgestattete Schlagzeugstöcke, mit denen ein unsichtbares
Schlagzeug bespielt werden kann – in der Regel ein Spielzeug, das
sich bei kleinen und grossen Angebern grosser Beliebtheit erfreut – hier
allerdings liess Rieben eine All-Stars-Band der Schweizer Schlagzeugszene
zum Luftstock-Schwingen antanzen.
Daniel Werder beobachtet Vögel. Und reiht sich mit seiner Arbeit «birds»
ein in eine lange Tradition vogelbeobachtender Komponisten und Künstler.
Unter Einsatz neuester Instrumente und Medien werden hier mittels
Videotracking Daten von Körner pickenden Vögeln erfasst. Grösse und
Gewicht der Vögel, die Menge des verspiesenen Körnermahls, aber auch
die zeitlichen Aspekte steuern in Echtzeit eine generative Komposition in
Daniel Werders Vogelstation.
Text: Valerian Maly
Freundliche Grüsse
Urs Küenzi
Veranstaltungspartner der transmediale.10
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