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Archiv der Musik & Medienkunst Veranstaltungen


  • Fre. 29. Januar 2010 - Sam. 27. Februar 2010
Esquisses
Master Arbeiten in Berlin
Substitut Raum für Aktuelle Kunst aus der Schweiz


 

Musik und Medienkunst Studierende des Master Contemporary Arts Practice (CAP) werden Ende Januar im Rahmen des Berliner Festivals "transmediale" im "Substitut - Raum für Aktuelle Kunst aus der Schweiz" unter dem Titel "Esquisses" ihre Thesis-Projekte vor- und zur Diskussion stellen.  

Transmediale
Ausstellung Substitute
Flyer zum Download
Flyer zum Download
Pressetext zum Download
Dokumentationsfilm einiger gezeigter Arbeiten

Anlässlich der transmediale.10 zeigt das Substitut als tm.satellite Studierende  

des „Master of Contemporary Arts Practice“ / Studienbereich Musik  

und Medienkunst der Hochschule der Künste Bern:  

Esquisses - Skizzen, Modelle, Prototypen – allen ist das Unfertige, aber

auch das noch nicht Abgeschliffene eigen: Zukunftsentwürfe, in denen  

dem Geist freier Lauf gelassen wird, Utopien hingekritzelt werden – ohne  

Abstriche und Konzessionen an Spar-, Technik- und anderen Zwängen.  

Prototypen sind immer auch umweht von der Aura des Geheimen, des  

Verborgenen. Unter strengster Geheimhaltung werden die „Erlkönige“ – so  

nennt man die Prototypen in der Auto-Industrie - auf Testfahrten geschickt,  

Partitur-Skizzen und Architekturentwürfe lagern in Geheimfächern, nicht  

fertige Skulpturen und Bilder werden mit Tüchern verdeckt, und digitale  

Dokumente mit kryptischen Zugangscodes gesichert. „Unvollendeten“ Werken  

in der Musik haftet der spekulative Mythos des Genialen an - Generationen  

von Komponisten begeben sich in eine Art Skizzenforschung und  

spinnen an den Kompositionen weiter. Nicht nur in der Kunstwissenschaft  

und bei Architekturhistorikern werden die „Vorzeichnungen“ besonders  

geschätzt, sind in ihnen doch in groben Zügen die wesentlichen Impressionen  

enthalten und in ihrer nicht auf Genauigkeit bedachten Darstellung  

sind sie markante Bilder von Ideen.  

Rohes, Unfertiges, Modellhaftes – mit diesen „esquisses suisses“  

gewähren die zukünftigen „Master of Contemporary Arts Practice“/ Studienbereich  

Musik und Medienkunst der Hochschule Bern einen reizvollen  

Einblick in ihre Werkprozesse, der zugleich Ausblick in die nahe Zukunft ist:  

Im Sommer 2010 schliessen Sie das Master-Studium ab.  

Lilian Beidler bringt «noch einen Koffer nach Berlin» und erzeugt heisse

Berliner Luft. Bestückt mit Haartrocknern jeglicher Couleur, Laptop mit  

Max/MSP, Jitter und Eis dient dieser Experimentierkoffer der Künstlerin  

während fünf Tüftel-Tagen (29.01. – 02.02.) in ihrem vorübergehend  

eingerichteten Labor im Substitut, an denen Sie ihr Masterprojekt weiter  

entwickeln wird.  


Ausserhalb der „Master“-schaft, aber nicht weniger meisterhaft bietet

Kaspar Hochuli seine raumgreifende Bachelor-Arbeit «5hoch2» an. Diese  

interaktive Klanginstallation besteht aus einem quadratischen Leuchtkörper,  

der mit farbigen Würfeln bespielt werden kann. Den Feldern und  

Farben zugeordnete elektronische Soundmodule werden durch Positionierung  

der Würfel freigesetzt und regen damit zu einem eigenen, sich ständig  

variierenden Kompositions-Spiel an. Dass dies recht intuitiv zu bedienen  

ist, ist das Verdienst von Hochulis Kompositionen, die zwar mit Analogien  

von Klang und Farbe handeln, sich aber nicht in platt-plakativen Klangfarbenkompositionen  

erschöpfen. «5hoch2» ist nicht nur Klanginstallation,  

sondern zugleich auch Kompositionsinstrument, für das Joachim Budweiser  

und Tobias Reber eigene Soundmodule liefern.  


Die Master-Arbeit von Cyrill Lim wird Installationen und konzertante

Stücke umfassen, die sich mit Wahrnehmung, im besonderen mit dem  

Thema der Perspektive auseinandersetzen. Dabei werden Aspekte der  

örtlichen Position und die subjektive Wahrnehmung des Hörers, sowie die  

Position der Schallquelle im Raum untersucht – eine multiperspektivische  

Untersuchung mit Lautsprechern, Satelittenschüsseln, Posaunen und Elektronik.  

Das im Substitut gezeigte Stück «I,Phon» untersucht die mehrfache  

mediale Verzerrung bei Lautsprechern : Durch den Erbauer, durch Elektronik  

und nicht zuletzt durch die Wahrnehmung des Rezipienten ist die  

individuelle Klanginterpretation eines jeden Lautsprechers geprägt.  


Timo Loosli plant eine Installation mit «1001 oscillations» - ein Schwarm

von circa 100 – 200 Kassettenrecordern (eine inzwischen historische  

Technologie) auf denen statische Töne gespeichert sind. Durch Gleichlaufschwankungen  

und andere Ungenauigkeiten, die den Geräten eigen  

sind, entsteht aus einer Vielzahl statischer Töne ein dynamischer Klang aus  

Schwebungen und dadurch erzeugten Melodien. In einer Computersimulation  

kann die Klangwelt mit 1001 Oszillatoren erkundet werden.  

David Muther zieht dem Publikum die Ohren lang. Angenommen, unsere  

Ohren wären noch viel unterschiedlicher geformt als sie das eh schon sind,  

wie würde das unsere Wahrnehmung verändern und welche musikalischen  

Qualitäten würde das fördern? Mit unterschiedlichen Ohrerweiterungen in  

der Tradition von „expanded ears“, forscht David Muther an einem anderen  

Hören und am Komponieren für diese neue Ohren.  

Tobias Reber klopft Wände und Böden des Substituts ab. Eine algorithmische

Komposition schaltet Elektromagneten ein und aus, die auf dem  

Boden und an den Wänden des Raumes angebracht sind. Die Magnete  

lassen kleine Matellbolzen vor- und zurückschnellen und klicken, und  

bespielen variantenreich den Raum : Abstrakte Muster, einzelne verstreute  

Ticks, synchrone und asynchrone Strukturen, abrupte Brüche und langsame  

Verläufe wechseln sich ab und verändern damit die Wahrnehmung  

des Raumes.  

Margrit Rieben verwirbelt Luft! «LUFT DRUM» wird eine Video-Installation,

in der mittels digitaler generativer Transformationsprozesse verschiedene  

„Luftstock“ spielende Schlagzeuger in einer musikalisch-videografischen  

Komposition zusammengeführt werden. Luftstöcke sind mit Beschleunigungs-  

Sensoren ausgestattete Schlagzeugstöcke, mit denen ein unsichtbares  

Schlagzeug bespielt werden kann – in der Regel ein Spielzeug, das  

sich bei kleinen und grossen Angebern grosser Beliebtheit erfreut – hier  

allerdings liess Rieben eine All-Stars-Band der Schweizer Schlagzeugszene  

zum Luftstock-Schwingen antanzen.  

Daniel Werder beobachtet Vögel. Und reiht sich mit seiner Arbeit «birds»

ein in eine lange Tradition vogelbeobachtender Komponisten und Künstler.  

Unter Einsatz neuester Instrumente und Medien werden hier mittels  

Videotracking Daten von Körner pickenden Vögeln erfasst. Grösse und  

Gewicht der Vögel, die Menge des verspiesenen Körnermahls, aber auch  

die zeitlichen Aspekte steuern in Echtzeit eine generative Komposition in  

Daniel Werders Vogelstation.  

 

 

Text: Valerian Maly  

Freundliche Grüsse  

Urs Küenzi  

Veranstaltungspartner der transmediale.10  

transmediale.de

 

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